Großrazzia gegen Banden: Führungsriege von Duisburger Hells Angels "vom Netz genommen"
Im Zusammenhang mit einer Großrazzia gegen die organisierte Kriminalität ist den Ermittlern nach eigenen Angaben ein Schlag gegen die führenden Köpfe der Rockergruppierung Hells Angels im nordrhein-westfälischen Duisburg gelungen. "Stand heute haben wir die Führungsriege vom Netz genommen, in Haft gebracht und insofern mindestens für eine sehr erhebliche Schwächung gesorgt", sagte der Duisburger Polizeipräsident Alexander Dierselhuis am Donnerstag vor Journalisten. Nun müsse verhindert werden, dass neue Ersatzstrukturen entstünden.
Seit Mittwoch durchsuchten mehr als tausend Einsatzkräfte rund 130 Objekte in Nordrhein-Westfalen, in weiteren Bundesländern sowie im europäischen Ausland. Dabei wurden 14 Haftbefehle vollstreckt, zudem sollten rund 48,6 Millionen Euro aus Taterträgen eingezogen werden. Wie viel Geld tatsächlich gesichert werden konnte, war noch unklar. Der Einsatz dauerte am Donnerstag an.
Die Ermittlungen richteten sich gegen 71 Beschuldigte. Zwei Hauptbeschuldigten wirf die Duisburger Staatsanwaltschaft die Rädelsführerschaft des kriminellen Netzwerks vor. Wie viele der Beschuldigten konkret den Hells Angels zugeordnet werden könnten, sei noch Gegenstand der Ermittlungen.
Im Zentrum steht ein kriminelles Netzwerk aus ranghohen Mitgliedern der Hells Angels und einem europaweit tätigen Geldwäschenetzwerk. Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) sagte, ranghohe Hells-Angels-Mitglieder sollen dabei mit dem Geldwäschenetzwerk arbeitsteilig zusammengearbeitet haben. "Die einen sorgen für Druck, für Angst, und die anderen wissen, wie man schmutziges Geld durch Firmen und Konten schiebt, bis es am Ende sauber aussieht."
Dreckiges Geld werde dabei durch "immer neue Rohre geleitet, aber wir drehen diesen Hahn jetzt zu", sagte Reul weiter. "Wir wollen das Geschäft kaputt machen, die Geldwege abschneiden, die Tarnung zerreißen und Vermögen sichern."
Während der Ermittlungen gerieten auch drei Mitarbeiter der Stadt Duisburg und ein Polizist ins Visier der Behörden. Einem städtischen Mitarbeiter wird laut Duisburger Staatsanwaltschaft Bestechlichkeit vorgeworfen, er soll Geld angenommen und dafür Vorteile in Verwaltungsverfahren versprochen oder gewährt haben. Zur Höhe der Zahlungen machte die Staatsanwaltschaft keine Angaben. Die beiden anderen Stadtmitarbeiter und der Polizist sollen unbefugt dienstlich erlangte Informationen weitergegeben haben.
Ausgangspunkt der Ermittlungen war eine Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern einer Rockergruppierung und eines kriminellen Clans auf dem Hamborner Altmarkt in Duisburg. Die Schießerei ereignete sich im Mai 2022. Hintergrund soll eine Fehde zwischen den Hells Angels und dem Clan gewesen sein.
Die Durchsuchungen erstreckten sich laut den Ermittlern auf Objekte in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Berlin sowie Belgien, Bulgarien und den Niederlanden. Im Raum stehen unter anderem Vorwürfe der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Daneben gehe es unter anderem um räuberische und gewerbsmäßige Erpressung, banden- und gewerbsmäßigen Betrug und gewerbsmäßige Geldwäsche.
Bei den Durchsuchungen beschlagnahmten die Ermittler unter anderem Mobiltelefone, Laptops, Datenträger und Geschäftsunterlagen. Zudem wurden mutmaßlich gefälschte Kleidung und Geldzählmaschinen sowie 16 hochwertige Fahrzeuge und zwei Motorräder beschlagnahmt. Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft in Duisburg sowie dem Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität dauerten an.
Landesjustizminister Benjamin Limbach (Grüne) sprach von einem "guten Tag für den Rechtssaat". Die Nachricht an die organisierte Kriminalität sei klar: "Wir kriegen euch, wir decken eure kriminellen Geldwäschenetzwerke auf", betonte Limbach.
X.Konrad--BlnAP