40.000 Migranten haben Grenze zwischen Marokko und Ceuta gestürmt
Zehntausende Migranten haben die Grenze zwischen Marokko und der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika gestürmt. In den vergangenen Tagen erreichten rund 40.000 Menschen Ceuta, wie es am Freitag aus Polizeikreisen hieß. Insgesamt 18 Migranten seien dabei bisher ums Leben gekommen. Es ist die größte Zahl von nach Ceuta gekommenen Migranten seit 2021. Spaniens Regierungschef Pedro Pedro Sánchez wollte am Freitag den Grenzübergang Tarajal in der Exklave besuchen.
Die Ankunft von Migranten aus Marokko dauerte auch am Freitagmorgen an, wie es aus Polizeikreisen weiter hieß. "Die ganze Nacht über gab es einen stetigen Zustrom von Menschen." Obwohl die Zahl der Ankommenden - vorwiegend junge Männer und Jugendliche - geringer gewesen sei als tagsüber, seien Migranten "auch über Nacht weiter angekommen".
Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten hunderte Menschen dabei, wie sie um eine Grenzbarriere mit Marokko herumschwammen, um die spanische Exklave zu erreichen. Dabei ließen sie Schwimmringe und Kleidung zurück, die sie für die gefährliche Überfahrt genutzt hatten.
Ausgelassene Migranten liefen am Donnerstag durch die Straßen von Ceuta und dankten der spanischen Polizei. Manche riefen: "Auf Wiedersehen Marokko, hallo Spanien!" Einige erklärten, sie hätten gehört, "die Grenze sei geöffnet worden". Die Polizei und die spanische Guardia Civil schienen kaum einzuschreiten. Einige Beamte versuchten, die Ankommenden in Richtung der örtlichen Aufnahmeeinrichtung zu leiten.
Die spanische Regierung entsandte angesichts der Lage Soldaten in die Exklave. Die Soldaten sollten die örtliche Polizei "bei allen weiteren Maßnahmen unterstützen, die zum Aufrechterhalten der Sicherheit" erforderlich sein könnten, erklärte das spanische Innenministerium. Wie viele Soldaten entsandt werden sollten, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Es hieß aber, dass die Personalstärke der Guardia Civil in Ceuta von derzeit 80 Beamten auf nahezu doppelt so viele Kräfte aufgestockt werden solle. Am Freitag gab das Ministerium bekannt, dass unter anderem Taucher der Polizei, sowie ein Boot und Drohnen entsandt würden.
Regierungschef Sánchez wollte am Freitag außerdem gemeinsam mit Innenminister Fernando Grande-Marlaska den Grenzübergang Tarajal in Ceuta besuchen, wie die Regierung in Madrid mitteilte.
Die marokkanischen Behörden haben sich zu den Ereignissen bislang nicht öffentlich geäußert. Aus offiziellen marokkanischen Kreisen erfuhr AFP jedoch, dass die spanische und die marokkanische Seite über die Angelegenheit gesprochen hätten. Spaniens Innenminister Grande-Marlaska bezeichnete die Zusammenarbeit mit den marokkanischen Behörden als "vorbildlich". Beide Länder würden "so bald wie möglich Maßnahmen" ergreifen, um die illegal nach Ceuta Gekommenen nach Marokko zu bringen.
Ceuta erstreckt sich über ein Gebiet von gut 18 Quadratkilometern und hat etwa 80.000 Einwohner. Ceuta und die Exklave Melilla bilden die einzigen beiden Landgrenzen der EU mit Afrika. Die Gebiete sind deshalb regelmäßig Ziel von Menschen, die sich ein besseres Leben in Europa erhoffen.
Die Geschehnisse an der EU-Außengrenze sorgten für heftige Reaktionen in Europa. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nannte die Bilder aus Ceuta "schockierend". Ihre Regierung sei dabei, "die zuständigen Stellen zusammenzubringen", erklärte sie im Onlinedienst X. Sobald diese Treffen abgeschlossen seien, "sind wir bereit zu handeln, auch durch außergewöhnliche Maßnahmen (...) wie etwa das Aussetzen des Schengen-Abkommens mit Spanien". Die finnische Regierung schloss sich am Freitag der Forderung Melonis an.
Madrid bestellte wegen der Äußerungen Italiens Botschafter ein. Spaniens Außenminister José Luis Albares warf seinem italienischen Kollegen vor, die Einwanderung für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Solche Äußerungen seien "unangemessen" für "ein befreundetes Partnerland".
Frankreich kündigte verstärkte Grenzkontrollen zu Spanien an. Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez erklärte im Onlinedienst X, er habe Anweisungen erteilt, "die Kontrollen an der spanischen Grenze unverzüglich zu verstärken". Dem Sender RTL sagte Nuñez: "Wir werden natürlich Maßnahmen ergreifen, wenn es Bewegungen in Richtung französisches Territorium gibt."
In den USA nahmen zwei hochrangige Vertreter der Regierung von Präsident Donald Trump die Bilder aus Ceuta zum Anlass, um dessen rigide Einwanderungspolitik zu verteidigen - und vor einer möglichen Rückkehr der Demokraten an die Regierung zu warnen.
Trumps Vize-Stabschef Stephen Miller teilte auf X ein Video zu Ereignissen in Ceuta und schrieb dazu: "Die Demokraten werden zusehen, wie euer Zuhause von Eindringlingen mit Füßen getreten und geplündert wird, und sie werden sich darüber freuen."
Trumps Kommunikationschef Steven Cheung kommentierte ein von ihm geteiltes Video des US-Senders Fox News zu Ceuta mit den Worten: "Das ist unter (dem früheren Präsidenten Joe) Biden passiert. Zum Glück wurde Präsident Trump gewählt, damit so etwas unter seiner Führung niemals passieren würde."
A.Freund--BlnAP