"Unvorbereitet" in die Hitzewelle: Grüne stellen Misstrauensantrag gegen Regierung
Die französische Regierung steht wegen ihres Umgangs mit der jüngsten Hitzewelle in der Kritik: Die Grünen-Fraktion kündigte am Dienstag einen Misstrauensantrag gegen die Regierung von Premierminister Sébastien Lecornu an. Sie wirft ihr vor, die Bevölkerung nicht ausreichend vor Hitzewellen zu schützen. "Die Regierung ist unfähig, sich selbst in Frage zu stellen", sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Cyrielle Chatelain.
Die Regierung sei mit Blick auf die extremen Temperaturen "unvorbereitet" gewesen - und sei dies weiterhin mit Blick auf weitere befürchtete Hitzewellen. Der Misstrauensantrag hat angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der Nationalversammlung allerdings kaum Chancen, angenommen zu werden.
Kurz zuvor war ein Streit über die Zahl der Hitzetoten ausgebrochen. Lecornu warf den Grünen vor, in den Medien eine Bilanz von 10.000 zusätzlichen Toten zu erwähnen. Dies sei "falsch" und "skandalös", sagte er.
Offizielle Zahlen zu den jüngsten Hitzetoten gibt es bislang nicht. Die Gesundheitsbehörde verzeichnete bei einer kürzeren Hitzewelle im Mai bislang 300 zusätzliche Tote, einen Anstieg von 14 Prozent. Während der jüngsten Hitzewelle im Juni verzeichnete die Behörde bislang rund 1000 Todesfälle mehr als in Zeiten ohne Hitzewelle. Eine gründlichere Bilanz könne aber erst später gezogen werden, wenn mehr Daten vorliegen und analysiert werden, betonte die Behörde. Die Regierung befürchtet, dass während der jüngsten Extremtemperaturen viele alleinstehende, ältere und kranke Menschen zu Hause gestorben sein könnten.
Nach elf Tagen außergewöhnlicher Hitze mit mehr als 40 Grad in vielen Teilen des Landes waren die Temperaturen in Frankreich am Sonntag wieder gesunken.
Wissenschaftler rechnen damit, dass Hitzewellen infolge des menschengemachten Klimawandels künftig häufiger auch außerhalb des Hochsommers auftreten.
C.Milbrandt--BlnAP